Farbpsychologie in der Raumgestaltung

Psychologie spielt in der Gestaltung von Räumen eine große Rolle. So lassen sich beispielsweise mit Farben Emotionen zu wecken beziehungsweise steuern. Selbstverständlich wollen Sie sich in den eigenen vier Wänden wohlfühlen, zur Ruhe kommen, kreativ sein, Energie fließen lassen und frei sein. Um diesen verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden, ist es wichtig, dass Sie sich nicht von Modediktaten steuern lassen.

Durch Farben und Formen lässt sich einfach Ihre Individualität ausdrücken. Passen Sie die Einrichtung an Ihrem persönlichen Stil und Ihren Wünschen. Unbewusst setzen Sie mit dem gewählten Farbkonzepten Ihre ungeäußerte Wünsche und Gefühle um.

Der Psychologe Uwe Linke, Autor und Experte für Wohnraumpsychologie, verweist beispielsweise auf ein Wohntypen-Modell, mit dem sich herausfinden lässt, welcher Farbton Ihnen entspricht.

Das Modell der Wohntypen

Das Konzept des Feng Shui ist Ihnen zu dogmatisch. Eine Alternative bietet die auf den Psychoanalytiker Fritz Riemann zurückzuführende Idee der Wohntypen.

Das Ziel ist es nicht Menschen in Schubladen zu stecken, sondern eine grundsätzliche Standortbestimmung zu ermitteln. Diese bietet eine grundsätzlich Orientierung und Differenzierung, also ein Selbstfindungsprozess. Es bildet sich eine Tendenz, eine Art Hauptcharakter, aus. Durch eine Beschreibung der wichtigsten Motive der Typen lassen sich die persönlichen Vorlieben gut erkennen.

Wichtig ist es zu beachten, dass kein Typ nur positive oder negative Eigenschaften hat, denn Eigenschaften an sich sind neutral. Die Deutung liegt im Auge des Betrachters.

Uwe Linke erklärt welche Farben welchem Typ entsprechen. Dabei geht es nicht unbedingt um die persönliche Lieblingsfarbe.

Wohntyp 1: Nähetyp

Der Nähetyp sehnt sich nach Schutz sowie Geborgenheit und definiert sich durch Beziehungen. Er definitiert sich über Beziehungen, strebt ein harmonisches Wohnkonzept an und vermeidet Konflikte. Dunkelblau ist die Farbe des Vertrauens, aber auch der Anpassung. Sie stimmt für den Typ, der nicht anecken will, aber sich selbst ab und zu vergisst. Magenta passt auch gut als Farbe der Einfühlsamkeit. Das Gegenteil vom Nähetyp ist der Distanztyp, der sich von anderen nicht abhängig machen will und sich daher eher abgrenzen möchte. Ihm entspricht ein helles Türkis. Schwarz als Farbe der Macht oder der Neutralität trifft auch gut auf ihn zu.

Dunkelblaues Wohnzimmer

Wohntyp 2: Distanztyp

Von den Meinungen seines Umfelds unabhängig ist dieser Wohntyp. Er strebt nach Unabhängigkeit. Sein Einrichtungsstil ist eher zweckmässig, pflegeleicht und schlicht. Bei der Farbauswahl beschränkt er sich auf kühle, metallische Farben. Uwe Linke erklärt: „Ihm entspricht ein helles Türkis, das in der Medizin als Heilfarbe bei Infektionen, also für die Abgrenzung, angewendet wird“. „Schwarz als Farbe der Macht oder der Neutralität trifft auch gut auf ihn zu.“

Modern und elegant, aber auch ein wenig kühl und unpersönlich wirkt die Wohnung des distanzierten Typs. Schwarz trifft auf Weiß, glänzend polierte Oberflächen betonen die klaren Formen des Mobiliars. Dem distanzierten Typ ist Sauberkeit sehr wichtig. Seinen schwarzen Ledersessel bietet er Gästen nur ungern an, dafür hat er auserlesenen Wein und einen riesenhaften Flatscreen-Fernseher. In den Regalen stehen vorwiegend Sachbücher. Hinter der glatten Oberfläche steckt, wie Wohnpsychologen herausgefunden haben, nicht selten die Angst vor Verletzungen. Gefühle werden nur ungern gezeigt. Der distanzierte Typ zeigt lieber Statussymbole und überzeugt durch eine perfektionistische Umsetzung momentaner Trends.

Türkises Wohnzimmer

Wohntyp 3: Dauertyp

An seiner bodenständigen und konservativen Raumgestaltung lässt sich dieser Wohntyp erkennen. Er scheut die Veränderung und setzt auf das Beständige. „Der Dauertyp bevorzugt Braun als Farbe der Erde und Zuverlässigkeit“ erklärt der Wohnexperte. Dieser Typus entscheidet sich eher für gedeckte und niemals schrille Farben.

Braunes Wohnzimmer

Wohntyp 4: Veränderertyp

Er liebt das Exzentrische sowie Außergewöhnliche und langweilt sich schnell. Seine Suche gilt dem ungewöhnlichen Design und er nimmt regelmäßig Veränderungen in seiner Einrichtung vor. Wie selbstverständlich nimmt er von den Trendfarben Notiz. Zitrus- und Neon- sowie bunte Farben sollen Lebensfreude verströmen, wenn Freunde da sind. Der Veränderertyp ist nämlich ungern allein: Er braucht Aufmerksamkeit und Abwechslung.

Überwiegt der Zwang zur Veränderung und wird die Wohnung ständig umgeräumt, kann das aber auch ein Zeichen innerer Unzufriedenheit sein. Vor allem, wenn das Ergebnis der Umstellung stets unbefriedigend ausfällt, sollte man erst einmal mit sich selbst ins Reine kommen.

Buntes Wohnzimmer

Der natürliche Typ

Einfach und stabil wirken die zeitlosen Möbel in den vier Wänden. Unter diesen befinden sich auch einige Erbstücke. Ein gute Ausleuchtung sorgt dafür, dass die Ablageflächen stets genutzt werden können. Naturmaterialien wie Holz und Stein laden zu Ruhe und Erholung ein. Beständigkeit und Selbstverwirklichung sind dem natürlichen Typ wichtiger als eine Ansammlung von Besitz. Der eher verspielte Landhausstil spiegelt die stille Sehnsucht nach einer heilen Welt wieder. Warme Honigtönen deutet auf die Sehnsucht nach emotionaler Wärme hin. Liebhaber des skandinavischen Stils trägt hingegen das Bedürfnis nach Einfachheit und Klarheit. Authentizität ist ihnen im zwischenmenschlichen Umgang sehr wichtig: Sie wollen so angenommen werden, wie sie sind.

honigfarbenes Wohnzimmer

Der organisierte Typ

Beim organisierten Typ fühlen Sie sich sofort willkommen. Durch die Zimmer strömt viel Licht. Helle Farben, große Fenster, ein offener Grundriss, moderne Einrichtung sowie die perfekt aufeinander abgestimmten Möbel und Teppiche laden zum Verweilen ein. Durch die sparsame Deko entstehen klare Akzente. Die Wohnung des organisierten Typs wirkt geradeheraus, pragmatisch und zupackend. Allerdings ist er auch ein wenig rastlos: Nichts darf dem Zufall überlassen werden, weil einem sonst alles entgleitet. Der organisierte Typ gibt wenig von sich preis und möchte nicht anecken. Er verzichtet auf seine Individualität zum Wohle der Harmonie.

Der emotionale Typ

Erinnerungsstücke, Familienfotos sowie selbstgemalte Bilder der Kinder schmücken die Wände. Im Wohnzimmer breitet sich eine gemütliche, mit Stoff bezogene Sofaecke aus. Das Polster ist mit vielen Kissen und Decken drapiert. Der emotionale Typ liebt warme Farben und geschützte Nischen, ist gleichzeitig aber auch extrovertiert. Er ist ein richtiger Familienmensch, zu dem man allezeit auf eine Tasse Kaffee und ein gutes Gespräch kommen kann.

Der nach Anerkennung suchende Typ

Jeder Mensch will zu einer bestimmten Gruppe dazugehören und richtet sich dementsprechend ein. Er strebt nach Anerkennung. Die Akzeptanz seiner Umgebung geht diesem Wohntyp über alles. Klar: Die aktuellen Trends können einem auch schlicht gefallen – der nach Anerkennung suchende Typ möchte aber ganz bewusst dem Mainstream angehören, da er seiner eigenen „Handschrift“ nicht traut. Das ist aber auch ganz in Ordnung so. Mainstream sind schließlich, wie der Name schon sagt, die meisten.

Wie kann man sich seinen eigentlichen Bedürfnissen stellen?

Eine Möglichkeit, um einen Zugangzu Ihren Bedürfnissen zu bekommen, ist das Moodboard. Ratsam ist es nicht alle Räumen nach dem gleichen Konzeption zu gestalten. Sinnvoll ist es jedoch den Fußboden in allen Räumen gleich zu wählen, um eine Barrierefreiheit zu gestalten.

Fazit

Bei der Charakterisierung der Wohntypen gibt es kein richtig und kein falsch. Vielmehr ist es ähnlich wie Feng Shui eine mögliche Inspirationsquelle. Letztlich sollen die Menschen ein Gespür dafür entwickeln, wie sie sind und wo sie sich wohlfühlen. Die Frage ist, wie Menschen sich in ihren vier Wänden ausdrücken wollen und in welchem Umfang sie sich mit persönlichen Dingen umgeben.

Dem distanzierten Typ ist beispielsweise nicht geholfen, wenn er seine Wände orange streicht und seine Couch mit Kissen vollstopft. Ein quirliger Typ würde umgekehrt in einer rein, weißen, immerzu aufgeräumten Wohnung an Reizmangel eingehen.

Die Wohntypen sind selbstverstänlich nur grobe Schablonen. Wichtig ist, dass Sie Ihre Bedürfnisse kennenlernen, statt ihre Räumlichkeiten nach irgendwelchen Dogmen einzurichten. Eine unpassende Wohnung kann sich nämlich auf unser gesamtes Wohlbefinden auswirken.

Bei allen Überlegungen ist es das oberste Gebot, die eigenen Wände nicht klischeehaft in eine Kopie zu verwandeln. So ist kaum ein authentisches Leben möglich.

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